Historischer Hintergrund

 

Der Begriff Biedermeier geht zurück auf die fiktive Figur des treuherzigen, aber spießbürgerlichen Gottlieb Biedermeier, die der Jurist und Schriftsteller Ludwig Eichbrodt und der Arzt Adolf Kußmaul erfanden. Nach 1900 wurde der zunächst negative Begriff Biedermeier eher wertneutral aufgefasst, er stand für eine kleinbürgerliche Kultur der Häuslichkeit und der Betonung des Privaten.

Die Zeit der Biedermeier beginnt um 1815 mit dem Ende der napoleonischen Herrschaft in Europa und dem Wiener Kongress 1815 und endet 33 Jahre später 1848 mit der bürgerlichen Revolution, der sogenannten Märzrevolution.

 

Die Bürger gewinnen im Biedermeier Geld und Ansehen, haben jedoch keinerlei politisches Mitspracherecht, deshalb ziehen sie sich in die eigenen vier Wände zurück und schätzen das häusliche private Glück. Die Wohnung wird zum Mittelpunkt des Lebens, dennoch gewinnen die Kaffeehäuser und Theater, als wichtigste Treffpunkte in den Städten an Beteutung.

 

In dieser zeit erlebte die Technik einen unaufhaltsamen Aufschwung. In 1830 wurde die Donaudampfschifffarts-Gesellschaft gegründet. 1832 die erste Pferdeeisenbahn zwischen Linz und Budweis in Betrieb genommen. Der Adler, die erste deutsche Dampflokomotive, verband Nürnberg mit dem ca. 6 km entfernten Fürth am 07. Dezember 1835 das erste Mal.

 

Das Private

 

Die Bürger richten sich vor allem ein sehr behagliches Wohnzimmer ein, da sehr viel Wert auf ein geselliges Leben im Familienkreis gelegt wurde. Das Wohnzimmer war in lichten Farben gehalten und wurde mit hübschen Möbeln ausgestattet. Ein Einrichtungsgegenstand der in keinem Wohnzimmer fehlen durfte war der Sekretär. In Glaskästen wurden zierliche Figuren und Schalen aus Porzellan, geschliffene Gläser und Gegenstände aus Silber zu Schau gestellt. Familienbilder mit Schalen, schön gearbeiteten Rahmen schmückten die Wände der bürgerlichen Wohnungen, denn in bürgerlichen Kreisen war es modern sich porträtieren zu lassen.

 

Kulturelles Leben

 

Die Musik ist wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens. Die bedeutendsten Komponisten dieser Zeiten lebten in Wien. Ludwig von Beethofen komponierte in dieser Stadt in völliger Zurückgezogenheit seine Symphonien und Messen. Seine einige Oper " Fidelio" entstand auch zu dieser Zeit in Wien. Durch die Hausmusik wird die Musik auch in den Privatbereich einbezogen. Schubertiaden (Aufführungen) sind ein Beispiel für diese im Biedermeier stark verbreitete Art der Musik. Franz Schubert, der den Namen dieser Schubertiaden prägte schuf zu dieser Zeit viele seiner Werke. Die Volksmusik erlebte im Biedermeier einen Höhepunkt und erfasst alle gesellschaftlichen Kreise. Lanner und Strauß komponierten die berühmten Walzermelodien, die von Wien aus ihren Siegeszug um die Welt antraten.

In der Malerei wirkten Sitten- und Genrebilder, Landschafts- und Porträtkunst in ihren Formen gleichwertig nebeneinander. In der Landschaftsmalerei setzte sich immer mehr die neue Auffassung durch, die Natur im Freien und unter genauester Beobachtung zu malen. Bedeutende Künstler waren Carl Spitzweg, Ferdinand Georg Waldmüller und Friedrich Wilhelm von Schadow.

Im Biedermeier haben die Dichter keinen geschlossenen Kreis mit einem einheitlichen Programm gebildet. Das Ziel das die Biedermeierdichter verfolgen ist, sich trotz aller Gefahren des politischen Umfeldes, ein ausgeglichenes Leben durch Ordnung, Selbstbeherrschung und Verzicht zu ermöglichen. Wichtig sind in der Biedermeierliteratur epischen Kleinformen, wie Erzählung, die Skizze, das Märchen und die Idylle. Reime haben eine große Bedeutung, es entstehen Gedichte, die zu Zyklen zusammengeschlossen waren. Im Biedermeier wird das Volksstück zum Publikumsliebling Nummer eins, eine Entwicklung die untrennbar mit den Namen Ferdinand Raimund und Johann Nepumuk Nestroy verbunden ist. Der Bürger betritt als Held die Theaterbühne und ist dort aus die politische Bühne des bürgerlichen Lebens.

 

Die Kleidung

 

Das Frauenkleid besitzt eine natürliche, eng geschnürte Gürtellinie. Der weite knöchellange Rock wird von zahlreichen geschnürten Unterröcken gestützt. Die schmale Taille wird durch abfallende Schultern und große, breite Kragen betont. Der Keulenärmel setzt erst auf dem Oberarm an. Baumwollstoffe in zarten Farben mit Blümchen- und Streifenmuster, Spitzen, Rüschen und Schleifen sind die Kennzeichen der Biedermeierfrauenmoden. Die typische Biedermeierfrisur der Damen sind seitliche Lockenbüschel und abgebundene Knoten auf dem streng gescheitelten Haar. Große Schuten Hüte sind eine beliebte Kopfbedeckung.

 

Auch beim Herrn verengt sich die Taille und die Schultern werden durch Polster verbreitert. Er trägt einen fast knielangen, glockig-weiten gestreiften Schoßrock. Die Hemden hatten einen sogenannten Vatermörderkragen, der den Hals eng umschloss. Kopfbedeckung war der Zylinder. Wichtig für die sonstige Ausstattung waren eine kunstvoll geknotete Krawatte, ein Spazierstock, Handschuhe sowie eine Taschenuhr. Die Herren trugen Backen,- Oberlippen,- Kinn- oder Vollbart. Unerlässlich waren in dieser Zeit lange Koteletten. 

 

 

Literaturnachweis: Wikipedia